Der Weg zum Bio-Betrieb

Bio-Landwirte sind ein wichtiger Teil der Lösung fĂŒr die Herausforderungen, die unsere heutige Gesellschaft fĂŒr zukĂŒnftige Generationen bewĂ€ltigen muss. Denn regionale, naturbelassene Lebensmittel tragen entscheidend dazu bei, dass die Umwelt geschont wird.

Die Umstellung eines Betriebs auf biologische Landwirtschaft folgt einem straffen Zeitplan und erfordert finanzielle Ressourcen. Arbeitszeitbedarf und eventuelle Arbeitsspitzen mĂŒssen bereits im Vorfeld der Umstellung realistisch eingeschĂ€tzt werden, ebenso wie alle Möglichkeiten zur Vermarktung.

Die 5-Punkte-Checkliste: So funktioniert‘s!

Eine Grundvoraussetzung ist, dass der umstellungsinteressierte Betrieb* wirtschaftlich gesund dasteht, denn die Gewinnsituation verschlechtert sich in einer ersten Phase möglicherweise und diese Einbußen sollen zum Teil durch eine höhere Subvention (Bio-PrĂ€mie) in der Umstellungszeit aufgefangen werden. Bei einer geplanten Umstellung sollten weitere fĂŒnf Punkte möglichst frĂŒh im Entscheidungsprozess bedacht werden:

1. Der Betriebsleiter muss in der Umstellungszeit bereits nach den Vorschriften der EG-Öko-Verordnung wirtschaften, die erzeugten Produkte können aber ĂŒber einen bestimmten Zeitraum nur konventionell vermarktet werden:

  • AnbauflĂ€chen von Ackerkulturen mĂŒssen mindestens wĂ€hrend 2 Jahren ab der ersten Aussaat nach ökologischen Richtlinien kultiviert werden;
  • bei GrĂŒnland sowie mehrjĂ€hrigen Futterkulturen gilt ebenfalls eine Frist von mindestens 2 Jahren vor der Verwendung;
  • bei Dauerkulturen (Obstbau, Weinbau) erhöht sich der Umstellungszeitraum auf 3 Jahre nach der letzten konventionellen Ernte;
  • bei Tierhaltung gilt ab Beginn der Umstellung ebenfalls die Dauer von 2 Jahren;
  • Tiere, die wĂ€hrend oder nach der Umstellungszeit zugekauft wurden, unterliegen je nach Tierart und Nutzungsrichtung festgelegten Umstellungszeiten.

Eine VerkĂŒrzung der Umstellungszeiten kann unter bestimmten UmstĂ€nden angefragt werden, muss aber nicht gewĂ€hrt werden.

2. Der Verzicht auf chemisch-synthetische DĂŒnge- und Pflanzenschutzmittel zieht oftmals eine Ertragsreduktion nach sich.

3. Der Arbeitszeitbedarf kann sich, je nach Produktion und im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft, erhöhen oder verringern:

  • biologischer Getreideanbau reduziert das Arbeitsvolumen,
  • biologischer GemĂŒseanbau ist sehr viel arbeitsintensiver.

4. Investitionen sind fĂŒr die ErfĂŒllung der EU-Öko-Verordnung oft unumgĂ€nglich: zum Beispiel fĂŒr Neu- und Umbauten in der Tierhaltung, verĂ€nderte LagerkapazitĂ€ten oder den Bau von Verarbeitungsstrukturen.

5. Die Wahl des passenden Absatzweges hÀngt vom Produkt sowie von den betrieblichen Rahmenbedingungen ab:

  • Direktvermarktung an den Endkunden ĂŒber Hofladen, Marktstand und Lieferservice erzielt gute Preise mit hoher Kundenbindung, ist aber sehr zeitintensiv;
  • Verkauf an den Großhandel ermöglicht eher grĂ¶ĂŸere Vermarktungsmengen unter Nutzung von zeitsparenden Techniken (hoher Spezialisierungsgrad);
  • eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem Einzelhandel und/oder mit regionalen Verarbeitern kann finanzielle Sicherheit bieten;
  • Gastronomie und Großküchen sind oft langfristig an lokalen Bio-Lebensmitteln interessiert;
  • Erzeugergemeinschaften sind ein alternativer Partner fĂŒr einen erfolgreichen Absatz von Produkten wie Getreide, GemĂŒse, Obst, Milch, Fleisch oder Wein.

 

*Wollen Sie sich schon im Vorfeld der Umstellung Ihres Betriebs kompetent beraten lassen? Das „Institut fir biologĂ«sch Landwirtschaft an Agrarkultur Luxemburg“ (IBLA) hat im Dezember 2020 einen „Newsletter Spezial Beratung“ verschickt.

Förderprogramme

Die gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU hat als erklĂ€rtes Ziel die Verbreitung der biologischen Landwirtschaft sowie des biologischen Anbaus von Wein, Obst und GemĂŒse. Rund 26,3% der Gelder fĂŒr die Förderprogramme stellte der EU-Haushalt ĂŒber den „EuropĂ€ischen Landwirtschaftsfonds fĂŒr die Entwicklung des lĂ€ndlichen Raums“ (ELER) in den Jahren 2014 bis 2020 fĂŒr Luxemburg bereit. Der Luxemburger Staat steuerte 73,6% an Mitteln ĂŒber den „Fonds d’orientation Ă©conomique et sociale pour l’agriculture” (FOESA) bei.

Mit dem Antrag zur Förderung* reichen Landwirte und Winzer ein Dossier ein, in dem sie vorweisen, dass sie die Voraussetzungen fĂŒr die Bewirtschaftung ihres Betriebs als Bio-Hof erfĂŒllen. So erreichen sie eine höhere Punktezahl fĂŒr die Einstufung ihrer Projekte und bekommen mehr Fördergelder. Nach der Genehmigung ihres Antrags bestĂ€tigen sie jĂ€hrlich die ErfĂŒllung der damit verbundenen Verpflichtungen. Die Fristen fĂŒr den ersten Förderantrag sowie fĂŒr die BestĂ€tigungen laufen jeweils bis zum 30. September vor dem Beginn des ersten Kulturjahres der Teilnahme respektive des Vorjahres. Erteilt das Ministerium eine Genehmigung, beginnt der fĂŒnfjĂ€hrige Verpflichtungszeitraum am 1. November des Kulturjahres, fĂŒr das der Antrag gestellt wurde, und endet nach fĂŒnf Jahren am 31. Oktober.

Die regelmĂ€ĂŸige Kontrolle der Betriebe garantiert Transparenz und die Einhaltung der ökologischen QualitĂ€tsanforderungen.

*Eine detaillierte Zusammenstellung der aktuellen Förderprogramme finden Sie hier.

 

Fördervoraussetzungen

Hauptberufliche und nebenberufliche Betriebsinhaber mĂŒssen auf ihrem Hof drei Bedingungen* erfĂŒllen, um prĂ€mienberechtigt zu sein:

  • fĂŒr die landwirtschaftlich genutzte FlĂ€che in Luxemburg gilt eine MindestgrĂ¶ĂŸe von
    3 ha: fĂŒr landwirtschaftlich genutzte FlĂ€chen
    0,5 ha: fĂŒr Baumschulen
    0,25 ha: fĂŒr FreilandgemĂŒseflĂ€chen
    0,1 ha: fĂŒr weinbaulich genutzte FlĂ€chen
    0,3 ha: fĂŒr ObstbauflĂ€chen
  • auf der gesamten BetriebsflĂ€che mĂŒssen die Cross Compliance Verpflichtungen eingehalten werden
  • die Betriebe werden wĂ€hrend mindestens 5 aufeinanderfolgenden Jahren biologisch bewirtschaftet

Höhe der PrÀmien

PrĂ€mienfĂ€hig sind alle landwirtschaftlich in Luxemburg genutzten FlĂ€chen, einschließlich

Weinbau-, Obstbau-, Feld- und UnterglasgemĂŒseflĂ€chen:

 

 

*Detaillierte und laufend aktualisierte Informationen ĂŒber weitere Bestimmungen und Verpflichtungen finden Sie auf dem Landwirtschaftsportal des Luxemburger Landwirtschaftsministeriums und in der BroschĂŒre „LandschaftspflegeprĂ€mien“. Gesonderte Informationen rund um das Thema „Ökologischer Weinbau“ finden Sie hier.